Gabriel Wartbichler: Holz, Geschichte und ein bisschen Japan im MAKERSPACE

Steindorf am Ossiacher See. Dort, wo andere Urlaub machen, sitzt Gabriel Wartbichler in seinem Atelier und arbeitet an Skulpturen, die Geschichten erzählen. Gelernt hat er an der Kunstuniversität in Zürich, geschnitzt wurde aber auch in Japan – bei einem Meister, der Tempelwerke erschafft. Aktuell ist Gabriel in der Ausbildung zum Bildhauer an der Schnitzschule Naschenweng im Mölltal. Und parallel dazu ist er auf dem Weg, sich selbstständig zu machen.

Spuren hinterlassen

Seine aktuelle Werkserie heißt „Spuren“. Der Name ist Programm. Gabriel kombiniert alte 100-jährige Alltagsgegenstände wie einen Pferdepflug oder eine rostige Säge mit geschnitzten Formen: Hände, Köpfe, Körperteile – Spuren von Menschen, die das Werkzeug einst geführt haben könnten. Aus Alt und Neu entsteht etwas Zeitgenössisches, das immer noch nach Wald riecht und an Arbeit und Geschichte erinnert.

Holzvorbereitung im MAKERSPACE

Viele seiner Werke entstehen im MAKERSPACE. Denn der Werkstoff Holz muss erst einmal zugeschnitten werden, bevor sich Gabriel ans Schnitzen machen kann. „Ohne den MAKERSPACE könnte ich die Arbeiten gar nicht machen“, sagt Gabriel. „Das Holz leime ich, schneide zu. Solche perfekten Verleimungen gehen nur mit großen Maschinen, die ich daheim nicht habe.“

Die Formatkreissäge ist der erste Schritt: Holz zuschneiden, exakt, sauber, präzise. Dann kommt die Abrichte: eine Seite plan machen, um die zweite Seite genau parallel dazu zu feilen. Erst wenn die Flächen passen, werden mehrere Bretter verleimt – ein Klotz entsteht, den Gabriel anschließend im Atelier komplett „freihand“ schnitzt.

Vom Lindenbaum am Dorfplatz

Gabriel ist die Herkunft seiner Kunstwerke wichtig. Er verwendet fast ausschließlich nachhaltiges Holz aus Kärnten: umgestürzte Bäume, Holz aus Pflegemaßnahmen, Stämme, die sowieso gefällt werden müssen. „Holz hat eine Geschichte – und ich will keinen Rohstoff verschwenden“, erzählt er. Am liebsten arbeitet er mit Lindenholz, da diese Baumart historisch besonders hervorsticht: „Früher stand auf fast allen Dorfplätzen eine Linde und bildete den Mittelpunkt des geselligen Dorflebens. Daran erinnert mich das Material, wenn ich am Lindenholz schnitze“, schwärmt Gabriel.

Scharfe japanische Klingen

Ein bisschen Fernost ist schwebt bei Gabriel immer mit dabei. Bei seinem Aufenthalt in Japan vor ein paar Jahren hat er bei einem Schnitzmeister gelernt, der ihm japanische Schnitzmeißel nähergebracht hat. Diese haben es dem jungen Künstler besonders angetan, da sie innen aus hartem Stahl und außen aus weichem gefertigt sind. Durch diese einzigartige Kombination sind japanische Meißel extrem widerstandsfähig. „Die musst du viel seltener schleifen, und sie brechen nicht gleich, wenn sie auf den Boden krachen“, berichtet Gabriel.

Holz ist Handwerk, Holz ist Haltung

Gabriel denkt nicht in Trends, sondern in Jahresringen. Er nimmt, was da ist, kombiniert, was war, und erschafft, was bleibt. „Ich möchte Spuren hinterlassen – aber nicht zerstören“, sagt er. „Holz zwingt dich zur Geduld. Und wenn du ungeduldig bist, bricht etwas.“

Wir feiern diese Gedanken. Denn im MAKERSPACE erzählen Maschinen, Materialien und Menschen gemeinsam Geschichten. Und Gabriel ist ein gutes Beispiel dafür, wie Tradition und Technik zusammenkommen – mit viel Gefühl, scharfen Klingen und einem Herz aus Holz.

Du möchtest den Werkstoff Holz kennenlernen oder die Kunst von Gabriel besichtigen? Melde dich gerne bei uns im MAKERSPACE!